Förderprogramm

BMBF: „Die Sprache der Objekte – Materielle Kultur im Kontext gesellschaftlicher Entwicklungen“

"Die Geisteswissenschaften leisten einen wesentlichen Beitrag zum Verständnis kultureller Systeme und Ordnungen, sie analysieren gesellschaftliche Zusammenhänge sowie historische Entwicklungen und Umbrüche, zudem reflektieren sie den Austausch materieller wie ideeller Kulturphänomene.

Die materielle Kultur ist in jüngerer Zeit in den geisteswissenschaftlichen Fokus gerückt ("material turn") und damit die Frage, wie Wissen in kulturell geschaffenen und verwendeten Objekten bzw. Dingen wirkt. Impulse zu der Frage, was Dinge über eine Gesellschaft und ihre Geschichte verraten oder welche Bedeutungen diese transferieren, geben in Deutschland derzeit vor allem die Empirische Kulturwissenschaft, die Kunstgeschichte und die Archäologie sowie die kultur- und technikhistorischen Museen. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) möchte diese Perspektive auf die Materialität von Kultur im Kontext gesellschaftlicher Entwicklungen weiter stärken und damit auch die Forschung an und mit Museen. Zugleich soll angeregt werden, dass sich auch andere Wissenschaftszweige, wie z. B. die Geschichts- und Sozialwissenschaften, verstärkt der Objektforschung zuwenden und mit diesem Fokus im interdisziplinären Diskurs neue Zugänge zum Verständnis europäischer und außereuropäischer Gesellschaften und Wissenskulturen entwickeln.

Wenn Dinge als Indikatoren verstanden werden, die über das Objekt selbst hinausweisen, dann sprechen sie eine Sprache, die es zu dechiffrieren gilt. Der Wissenschaftsrat verweist in seinen "Empfehlungen zu den wissenschaftlichen Sammlungen als Forschungsinfrastrukturen" (Januar 2011) auf die "Aura", den Überschuss, den die Dinge in sich tragen. "Die Anreicherung der sichtbaren Beschaffenheit des Objekts mit Wissen über seine nicht sichtbaren Eigenschaften, die Verbindung inhärenter und externer Attribute, führen zu einem erheblichen Bedeutungszuwachs. Ein Objekt ist durch diese angelagerten Eigenschaften nicht nur ein Faszinosum, sondern es kann die Bedeutung eines Kulturguts erlangen, der Selbstvergewisserung und Identitätsbildung in der Gesellschaft dienen, als materielles Zeugnis fungieren, es vermag Antworten zu geben auf verschiedenste Fragen und es kann zu weitergehenden Fragen anregen.""

URL: https://www.bmbf.de/foerderungen/bekanntmachung-1363.html

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