Projektinformationen

Peter Grund (1892-1966) - Dortmund, Düsseldorf, Darmstadt. Ein deutscher Architekt unter drei politischen Systemen

"Der Architekt Peter Grund lässt sich in doppelter Hinsicht als exemplarische Figur verstehen. Zum einen verkörpert er in besonderer Weise einen architektonischen Mainstream, der das Architekturgeschehen in Deutschland während der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts in bemerkenswerter Kontinuität über drei politische Systeme hinweg bestimmte. Als überdurchschnittlich erfolgreicher Praktiker begleitete Grund die prägenden Debatten der Zeit zumeist aus der zweiten Reihe und kann gerade deshalb als besonders typischer Vertreter einer grundständigen, alltagstauglichen und vielseitig anschlussfähigen Architekturströmung gelten, die jenseits politischer Zäsuren in Deutschland wirksam war. Zum anderen bietet die Figur Peter Grund den seltenen Fall eines umfangreichen, alle Schaffensphasen dokumentierenden Architektennachlasses, wie er unterhalb der Ebene der 'großen Meister' nicht häufig erhalten ist.
Die Erforschung der Arbeit Grunds bietet somit die Gelegenheit, über den schon für sich genommen aussagekräftigen Einzelfall hinaus grundsätzliche Einsichten über die 'longue durée' in Architektur und Städtebau der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts zu gewinnen. Auf diese Kontinuitätslinien richtet sich das überwölbende Interesse des Projekts.
An drei Standorten repräsentiert Peter Grund als Architekt und Städtebauer prägende Phasen deutscher Geschichte und Kultur. Gebürtig in Pfungstadt bei Darmstadt, fand er sein erstes Wirkungsfeld ab 1923 in der expandierenden Ruhrmetropole Dortmund. Eine zweite Station der Arbeit Grunds begann 1934, als er im Rahmen der nationalsozialistischen 'Gleichschaltung' die Position des Direktors der Kunstakademie Düsseldorf erhielt. Zu seinem dritten Wirkungsgebiet wurde Darmstadt, wo er 1947 - nach einer schnellen Entnazifizierung - das Amt des Oberbaudirektors übernahm und bis 1959 für den Wiederaufbau des Stadtzentrums verantwortlich war.
Grundlage des Forschungsvorhabens ist die wissenschaftliche Erschließung und Digitalisierung des auf zwei Orte (Stadtarchiv Darmstadt, FH Dortmund) verteilten Nachlasses. Durch die Digitalisierung sollen die beiden Bestände virtuell integriert und zusammenhängend ausgewertet werden. Parallel dazu werden alle in anderen Archiven verfügbaren Quellen zur Arbeit Peter Grunds und ihren Kontexten systematisch erschlossen.
Darauf aufbauend gilt das Forschungsinteresse vor allem drei Fragestellungen, die von den antragstellenden Personen parallel bearbeitet werden: den Netzwerken und institutionellen Strukturen, in denen Grund agierte; der entwerferischen Arbeit Grunds im Kontext der dominierenden Strömungen deutscher Architektur in den 1920er bis 1960er Jahren; der systematischen Analyse seines städtebaulichen Werks und der damit verbundenen Intentionen und theoretischen Begründungen. In der Synthese der drei Untersuchungsgebiete wird der Werklauf des Architekten zum Gegenstand einer Fallstudie, mit deren Hilfe übergreifende Prozesse und Problemfelder schärfer beleuchtet werden können."

 

[Quelle: http://gepris.dfg.de/gepris/projekt/360987462 (abgerufen am 31.01.2019)]

 

Anmerkung:

Startdatum: 09.2017 Enddatum: 09.2020

Projektort: Darmstadt, Dortmund, Marburg

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